C.H.R.S.N.
NÜRBURGRING ARCHIV

 

Heiß ist es beim Start in das fünfte Jahrzehnt der „schönsten und schwierigsten Rennstrecke der Welt“, und das ADAC-Eifelrennen 1968 auf der Südschleife, Weltmeisterschaftslauf für Motorräder, erfährt ein Kuriosum: Der Lauf der Halbliterklasse muß in der 19. von 26 zu fahrenden Runden wegen eines Waldbrandes abgebrochen werden. Der zu diesem Zeitpunkt führende Giacomo Agostini wird zum Sieger erklärt. Ganz anders beim Formel-1-GP am 4. August desselben Jahres: Nebel und Regen machen das Rennen fast unmöglich. Der Schotte Jackie Stewart findet sich mit seinem Matra-Ford in der „Waschküche“ am besten zurecht und gewinnt.

1969 ist fürwahr ein gutes Jahr. Massenbesuch bei allen Großveranstaltungen.

 

Höhepunkt ist der Große Preis von Deutschland, den der Belgier Jacky Ickx auf Brabham vor 120.000 zahlenden Zuschauern für sich entscheidet. Noch ahnt niemand, daß die Nordschleife als Grand-Prix-Strecke in Frage gestellt werden könnte. Doch 1970 ist es soweit. Nach einer Serie schwerer Unfälle im GP-Sport erklären die Fahrer, ihr Sprecher ist der in Mainz geborene Österreicher Jochen Rindt, die Nordschleife für „zu gefährlich“ und fordern umfangreiche Umbauten. Der Grand Prix wird in Hockenheim gefahren, am selben Tag findet auf dem Nürburgring ein Formel-2-Rennen statt, das der Schweizer Xavier Perrot vor der Hermülheimerin Hannelore Werner gewinnt.


Der „Ring“ wird umgebaut, erhält Seitenstreifen, Fangzäune und Leitplanken, wird damit sicherer aber auch schneller. 17 Millionen Mark kosten die Maßnahmen, weitere Millionen kommen in den folgenden drei Jahren dazu. 1971: wieder Grand Prix, 130.000 Zuschauer, Sieger Jackie Stewart (Tyrrell-Ford). Alles scheint wieder in bester Ordnung. Doch schon 1974 kommt ein erneuter Schock.

 

Jetzt boykottieren die Motorrad-Spitzenfahrer beim WM-Lauf Ende April die Nordschleife. Wenig später kommen auch neue, gigantische Umbauforderungen der Formel-1-Piloten auf den Tisch. Der Nürburgring-Fan Clay Regazzoni (Schweiz) gewinnt auf dem Ferrari den 1974er Grand Prix und fährt ein Jahr später mit 7:06,4 Minuten (192,8 km/h) neuen Rundenrekord.

Dieser Rekord wird ein „ewiger“ sein. Das Ende der Nordschleife als GP-Strecke ist am 1. August 1976 gekommen. Niki Lauda verunglückt schwer. Der Nürburgring erhält 1977 keine Formel-1-Zulassung mehr. Der letzte Grand Prix-Sieger in der „Grünen Hölle“ heißt James Hunt (England) auf McLaren-Ford. Am 3. Oktober 1977 faßt der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH den Beschluß zum Bau einer neuen, kürzeren Rennstrecke und bittet die Gesellschafter, Bundesrepublik Deutschland, Land Rheinland-Pfalz und Kreis Ahrweiler, um die Bereitstellung der erforderlichen finanziellen Mittel.